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Breitbildspinner von der FAZ von Paul Allende
Ursprünglich durch den Stil der Amerikaner nach Europa gebracht, kennt die Nachfrage an Breitheit keine Rezession. Ein Fernseher ist nur noch in humanamerikanischen Formaten zu bekommen. Internetseiten wachsen seitwärts. Dieser Trend dient nicht der detaillierten Abbildungsmöglichkeit moppeliger Transatlantiker, sondern der besseren Aufnahmefähigkeit menschlicher Sehorgane. Der gemeine Erdbewohner besitzt demnach zwei horizontal in Reihe angeordnete Augen, die bei aufrechter Körperhaltung in der Lage sind das horizontale Spektrum quantitativ weiträumiger darstellen zu können als das vertikale. Deshalb passte die Medienindustrie ihr Format der menschlichen Auffassungsgabe an. Auch deutsche Onlinezeitungen haben sich dem Trend angeschlossen, deren Fotografen allerdings sitzen geistlich noch im Keller. Die Bilder sind zwar alle schön breit, bieten dadurch aber keine zusätzliche Information. Ein paar lockere Beispiele von der FAZ über Frau Merkel machen deutlich, warum das Format dringend notwendig war:
   
Ganz genau geschätzt dürfte Frau Merkel hier als Person betrachtet etwa 1/3 des Bildes ausfüllen. Der Kopf wird dabei großzügig an- und abgeschnitten. Die Zeitungen haben es mit einem Mangel an Vertikalplatz zu tun. Der horizontale Rest des Bildes ist grau-schwarz oder orange mit halben Buchstaben.
Weil sich der asymmetrisch agierende Mensch seine Augen derzeit gerne vertikal anbauen lässt oder viel lieber auf der Seite liegend fernsieht, stellt die Firma Vertiwatch (auf deutsch „Aufrechtguck“) einen in eine Marktlücke schmetternden Hochbildfernseher her. Vor allem für Giraffenreportagen und Hochhausaufnahmen ist das Gerät dem normalen Breitbildfernseher haushoch überlegen. Ein erstes Gerät wurde allen Giraffenliebhabern (mir auch) bereits zugeschickt. So sieht das Teil aus.
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