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Das Erbe von Alfred Bernhard Nobel
Warum stiftet ein Misanthrop einen Friedenspreis?

von Kathleen Schulze

04.02.2010 / 17:55 Uhr

Diese Schrift wurde im Rahmen einer Hausarbeit der Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald im Proseminar der Neuesten Geschichte “Bedeutende Persönlichkeiten in Skandinavien und Finnland des 19. und 20. Jahrhunderts” im Sommersemester 2009 bei Prof. Dr. Jens E. Olesen erstellt.

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Quintessenz –Warum stiftet ein Misanthrop einen Friedenspreis?


 

 

Einleitung
In einem selbstkritischen Ausspruch beschrieb sich Alfred Bernhard Nobel wie folgt:

    „Ich bin ein Misanthrop und doch äußerst wohlwollend, habe eine Menge Schrauben locker und bin ein Superidealist, der Philosophie besser verdaut als Essen.“

Es ist allgemein bekannt, dass Alfred Nobel der Erfinder des Dynamits ist. Galt die Schöpfung seiner misanthropischen Ader oder seinem unheimlich großem Forscherdrang?

Alfred Nobels explosive Erfindungen halfen bei friedlichen Wirtschaftsaktivitäten, sowohl wusste er aber auch, dass er damit den Krieg auf eine andere Stufe bringen könnte. Im Deutsch-Französischen Krieg, kam es zum ersten Einsatz von Dynamit, dennoch beschoss man den Feind zusätzlich mit Schwarzpulver. Nobel war es, der zur Entdeckung des rauchfreien Pulvers beigetragen hat. Was waren seine Absichten dennoch einen Friedenspreis zu stiften? In der vorliegenden Arbeit werde ich beschreiben welches Leben die Persönlichkeit, Alfred Nobel, geführt hat. Wie es dazu kam, dass er auf seine Weise, den Krieg unterstützte und dennoch in seinem Testament Fonds anlegte um Diejenigen zukünftig zu ehren und zu preisen, welche sich für den Frieden einsetzen.

1. Alfred Nobels Werdegang

1.1 die Kindheit, ein Musterschüler wird geboren
Alfred Nobel HausarbeitIm Jahre 1827 ging das Paar Immanuel Nobel und Andriette Carolina Ahlsell den Bund der Ehe ein. Die junge Frau gebar am 21. Oktober 1833 Alfred Bernhard Nobel im Hofzimmer am nördlichen Stadtrand von Stockholm. Andriette hatte bereits drei Kinder zur Welt gebracht und ihr Erstgeborenes verloren. Zur selben Zeit meldete Immanuel Nobel Konkurs an und wurde im Steuerverzeichnis als „arm“ bezeichnet. Alfred erblickte demnach das Licht der Welt in einem bedürftigen Heim. Nach eigener Aussage war er so schwach, dass er fast tot zur Welt kam. Er blieb zeitlebens kränklich und schwächlich. Zu dieser Zeit war die Sterberate generell höher als die Geburtenrate, denn es gelang niemandem die sanitären Probleme in den Griff zu bekommen. So löste eine Epidemie die andere ab. Nicht nur Diphtherie und Keuchhusten machten den Kleinkindern das Leben schwer, auch die qualmenden Öllampen, denn es wird noch ein halbes Jahrhundert dauern bis das elektrische Licht entdeckt wird. Der Schwefelrauch des Kokses, der in den Heimen stank, machte das Atmen zunehmend schwieriger. Andriette Nobel hatte viel Arbeit und Sorgen, wollte ihrer Familie allerdings trotzdem viel Aufmerksamkeit schenken. Mit Verantwortungsbewusstsein, Sparsamkeit und Fleiß wurde sie selbst von ihrem Vater erzogen und gab diese Eigenschaften an ihre Kinder Robert Hjalmar, Ludvig Immanuel und Alfred Bernhard weiter. Sie nahm sich aber die meiste Zeit für ihren „Augenstern“ Alfred, hütete sein Bett und widmete ihm alle erdenkliche Fürsorge. Die Mutter war Alfreds Universum, so beschrieb er die Beziehung im Alter von 18 Jahren in einem englischen Gedicht wie folgt:

    „My cradle looked a death-bed, and for years
    a mother watched with ever anxious care,
    so little chance, to save the flickering light,
    my scarce could master strength to drain the breast,
    and the convulsions followed, till I gasped
    upon the brink of nothingness – my frame
    a school for agony with death for goal.”

Erst mit acht Jahren kam Alfred Nobel zur Schule, zu dieser Zeit gab es noch in jedem Klassenzimmer eine Auswahl an Rohrstöcken. Auch an der Jacobschule galt Prügel als effektives Heilmittel gegen intellektuelle Mängel. Alfred Nobel arbeitete mit zäher Hartnäckigkeit seine Hausaufgaben durch. Der Musterschüler bekam ein „sehr gut“ für seine Auffassungsgabe, Fleiß sowie in Betragen.

Während der Kindheit seiner Söhne versuchte Vater Immanuel erst einmal alleine eine neue Existenz außer Landes aufzubauen. 1387 arbeitete er in einer finnischen Hafenstadt als Architekt und Baumeister. Auf den Ruf Lars Gabriel von Haartmanns zog Immanuel nach St. Petersburg, hier widmete er sich der Konstruktion von Sprengmienen für Land- und Seeverteidigung sowie der Herstellung von Schnellfeuergeschützen. Die Auftragslage wuchs, so dass er seiner Werkstätte schon bald eine Gießerei angliedern konnte.

Er hatte schließlich einen derartigen Erfolg, dass er entschied die Familie nachkommen zu lassen. Am 21. Oktober 1842 wurde ein Pass ausgestellt für Frau Nobel und die minderjährigen Kinder.

1.2 die Jugend, ein Genie auf Reisen
In St. Petersburg gebar Andriette ihre Kinder Rolf, Betty und Emil Oskar, doch lediglich Emil überlebte das Kleinkindalter. Aufgrund der geschäftlichen Erfolge des Vaters lebten die Nobels nun im Wohlstand, alle Söhne bekamen eine internationale Erziehung durch Hauslehrer. Besonders in der Chemie und in den Sprachen zeigte sich Alfred Nobels Begabung. Er beherrschte Schwedisch, Russisch, Englisch, Französisch und Deutsch. Die Lehrer in Chemie waren die Professoren Zinin und Trapp, letzterer war es der Immanuel und Alfred auf den Stoff Nitroglyzerin aufmerksam machte. Es sollte aber noch 10 Jahre dauern bis Alfred Nobel reif für seine explosiven Erfindungen wird. Unentbehrliche Hilfsmittel für das Erfüllen seines Wissenstriebs sah Alfred Nobel im Selbststudium, das Beobachten anderer Menschen sowie das Lesen guter Literatur. Immanuel erkannte schon früh, dass er seinen Söhnen wichtige Eigenschaften vererbt sowie anerzogen hatte und schrieb einem Freund folgende Zeilen:

    „Woran die Vorsehung bei dem einen gespart hat, damit scheint sie den Älteren in umso reicherem Maß versehen zu haben. So wie ich sie beurteile, hat Ludvig am meisten Geist, Alfred das größte Arbeitsvermögen und Robert den größten Spekulationsgeist, aber dazu eine Hartnäckigkeit, die mich im vergangenen Winter mehrfach erstaunt hat.“

Nach der Ausbildung arbeiteten die Söhne in der Fabrik „Fondéries & Atéliers Mécaniques Nobel & Fils“ mit. Nach und nach wurde das Sortiment für den zivilen Markt erweitert und umfasste: Heizkessel, Rohrleitungen sowie Heizkörper. Damit verbesserte sich die finanzielle Situation der Familie vorübergehend und ermöglichte Alfred Studienaufenthalte im Ausland. Er musste seinem Vater jedoch versprechen auf seine Laufbahn als Literat zu verzichten. Hieraus resultierte eine andauernde Sehnsucht zum Dichten und Schreiben. Zuerst schickte Immanuel seinen Sohn im Alter von 16 Jahren nach Italien, dann nach Paris und schließlich mit knapp 17 Jahren in die Vereinigten Staaten, um seine Ausbildung als Ingenieur zu vervollkommnen. In Zentraleuropa und England hatte Alfred Nobel die Aufgabe Geschäftspartner für den Vater zu finden und Kontakt herzustellen. In Paris durfte er vorübergehend im Laboratorium des bekannten Professors Pelouze arbeiten. Ein Vorteil von Alfred Nobel war es, dass dank seines Fleißes und großem Interesse in der Chemie seine Kenntnisse nicht nur denen seiner Brüder, sondern auch denen seiner gleichaltrigen Kameraden weit überlegen waren. So sollte der Höhepunkt der Studienreise in New York stattfinden. Dort traf er auf den Landsmann und Erfinder John Ericsson. Vater Immanuel Nobel erhoffte sich aus der Kooperation eine neue Erfindung, welche Dampf durch erhitzte Luft ersetzt und diesen ablösen sollte. Diese Kalorikmaschine wollte er in seine Schiffe einbauen um Wasser von einem Ort zum anderen pumpen zu können. Eine Weltneuheit, welche Ericsson schon 12.000-mal in New York verkaufte. Alfred Nobels allgemeines gesundheitliches Befinden blieb seit seiner Kindheit anfällig. Die Reisen waren mit enormen Anstrengungen verbunden, welchen er nicht gewachsen war.

1854 kehrte er, reich an Wissen und Erfahrungen, die er 4 Jahre lang in der alten und neuen Welt gesammelt hatte, nach St. Petersburg zu seinen Eltern und Brüdern zurück und wurde wieder Mitarbeiter seines Vaters. Gerade rechtzeitig, denn anlässlich des Krimkrieges, lieferte das Unternehmen alles von Schnellfeuergewehren bis zur Dampfmaschinerie, für Russlands erstes propellergetriebenes Kriegsschiff. Der Zar gab sein Siegel auf einen Mobilmachungsbefehl. Andere Motive als machtorientierte Interessen konnte Alfred Nobel im Krieg nicht erkennen. Diese prinzipielle Einstellung hinderte ihn jedoch nicht daran, technischen Problemlösungen, wie zum Beispiel die ersten brauchbaren Seeminen, herzustellen. Die russische Streitmacht musste modernisiert werden, infolgedessen erhielt das Unternehmen große Bestellungen. Jedoch war der finanzielle Erfolg nicht von Dauer. Als der Krimkrieg 1856 endete, blieben die Rüstungsaufträge, welche die Fabrik Tagein Tagaus beschäftigt hatte, plötzlich aus. Nobels Versuch die Fabrik auf Schiffbau umzustellen kostete zu viel Geld und brachte nichts ein. So wurde „Nobel & Söhne“ größtenteils von Ludvig aber auch von Robert und Alfred wirtschaftlich saniert. 1858 kehrte Immanuel mit seiner Frau nach Schweden mit den Resten des Vertrauenskapitals zurück. Der neue Fabrikname wurde dann später nochmals in „Gebrüder Nobel“ abgeändert.

1.3. Alfred als Erfinder und Unternehmer
„An dem Tag, wo ein Mensch nicht arbeitet, ist er kein Stück Brot wert.“ erklärte Ludvig und übernahm die Führung der Industrie in St. Petersburg. Robert und Alfred blieben auch in St. Petersburg und teilten sich einen gemeinsamen Haushalt in einer anspruchslosen Wohnung. In der Küche hatte der eifrige Alfred Nobel ein kleines Labor gebaut. Hier führte sein Erfinderdrang zu seinen ersten drei Patenten: einem Gasometer, einem Apparat für Flüssigkeitsmessung und einer Konstruktion von Barometer oder Manometer. In dieser schweren Zeit nahmen die Brüder wieder Kontakt zu ihren ehemaligen Lehren auf. Die Professoren Zinin und Trapp sollten helfen auf neue Ideen zu kommen, sowie erstmalige Produkte zu erfinden. Während des Kontaktes wurde die Aufmerksamkeit wieder auf den früheren Assistenten von Professor Pelouze, Ascanio Sobreros, gerichtet.

Dieser hatte Beobachtungen über eine Flüssigkeit namens Pyroglyzerin, später dann Nitroglyzerin genannt, gemacht und warnte davor praktische Vorteile aus der Entdeckung zu gewinnen. Der nun 26jährige Alfred Nobel war seither von dieser Flüssigkeit fasziniert und stand somit vor der größten Herausforderung seines Lebens. Er versuchte einen Weg zu finden wie man diesen Sprengstoff zur Detanation bringen kann. Nach mehreren riskanten Experimenten kam er auf die Idee das Nitroglyzerin mit Schwarzpulver zu vermengen und diese Mischung mit einer Zündschnur zu entfachen. Die Brüder testeten die Erfindung mehre Male auf dem zugefrorenem Neva-Kanal. Enthusiastisch schrieb Alfred seinem Vater die Fortschritte. Immanuel begann auf eigene Faust mit der Mischung zu experimentieren. Immanuel kam leider auf falsche Ergebnisse, aufgrund Mängel in den Meßmethoden.

Die Spannung zwischen Immanuel und Alfred Nobel stieg und fand seinen Höhepunkt als Alfred bemerkte, dass sein Vater seine Erfindung mit einem Embargo belegt hatte. Der Sohn verließ Stockholm in Zorn und kehrte zurück zu seinen Brüdern nach St. Petersburg. Ständiger Briefwechsel zwischen den beiden Parteien und vor allem das zureden der Mutter Andriettes ließ Frieden in die Familie einziehen. Alfred baute in der Nähe des Elternhauses, auf dem verfallenen Landsitz Heleneborg auf Södermalm, ein Fachwerkgebäude zu einem Laboratorium um. Zusammen mit Emil experimentierten die drei nun in immer avancierterer Weise mit Pulver und Nitroglyzerin. Wegen aufkommenden Interesses zahlte die Militärbehörde 6000 Kronen für eine Demonstration auf der Festung Karlsborg. Nach der Erkenntnis, dass die Sprengwirkung ihren Grad verringert, wenn das Nitroglyzerin vom Pulver aufgesogen wurde, erprobte Alfred während der Vorführung einen neuen Inhalt. Er befüllte eine Roheisenbombe zur Hälfte mit Schwarzpulver und zur Hälfte mit Nitroglyzerin. Die Zuschauer waren in Deckung, jedoch erschraken sich die militärischen Experten so sehr vor der Sprengkraft, dass sie seit dem keinen Kontakt mehr zu Alfred suchten. Sie meinten eine solche unberechenbare Sprengkraft sei zu riskant, um im Krieg verwendet zu werden. Alfred Nobel gab jedoch nicht auf, die kostspieligen Experimente brauchten dennoch einen neuen Geldgeber. Im Alter von 28 Jahren reiste er deshalb nach Paris um die Firma „Société de Crédit Mobilier“ nach einem Kredit zu bitten. Redegewandt berichtete er über die Experimente mit dem Nitroglyzerin und legte dar, welche kommerzielle Vorteile es würde bieten können. Man bewilligte ihm einen Kredit von 100.000 Frances.

Nun widmete sich der Erfinder der nächsten schwierigen Frage: Wie kann man eine kontrollierte Explosion mit Nitroglyzerin hervorrufen? In dem Fachwerkhaus in Heleneborg arbeitete er hauptsächlich, dort hatte er sogar vorübergehend Angestellte, welche er zwar wortkarg gegenüber stand jedoch stets rücksichtsvoll war. Diesen Menschen sowie seinen Nachbarn versicherte er regelmäßig, dass seine Experimente vollkommen ungefährlich seien. Ein großer Irrtum wie sich am 3. September 1864 herausstellen sollte. An diesem Frühherbsttag müssen nach Alfreds Berechnungen zufolge ungefähr zweihundertfünfzig Pfund (à 425g) Nitroglyzerin im Lager neben dem umgebauten Fachwerklabor gewesen sein. Emil Oskar, der frischgewordene Abiturient, war gerade damit beschäftigt das Glyzerin zu säubern als die Katastrophe geschah: das Laboratorium flog mit einem Knall in die Luft. Der Bericht in der Post Tidningen lautete:

    „Von der Fabrik […] , war nichts übrig als einige rauchgeschwärzte Trümmer, die verstreut herumlagen. In allen Häusern und selbst Häusern auf der anderen Seite […] waren […] Fensterbänke und Dachgesimse fortgesprengt. Das Entsetzlichste waren jedoch der Anblick der verstümmelten Leichen, die über den Unglücksplatz verstreut lagen. […] Kleider von Körpern gerissen waren, bei einem Teil von ihnen fehlte auch der Kopf, und das Fleisch war zerfetzt bis auf die Knochen. […], man sah keine gewöhnlichen Leichen, sondern formlose Massen von Fleisch und Knochen, die weniger oder keine Ähnlichkeit mit einem Menschenkörper hatten. […] Herr Nobel selbst war nicht anwesend, doch soll einer seiner Söhne sich unter den Opfern befinden und ein anderer schwere Kopfverletzungen davongetragen haben.“  

Abschließend teilt die Post Tidning mit:

    „[…] Emil Nobel, war […] mit Experimenten zur Vereinfachung der Zubereitungsmethode der Glyzerinflüssigkeit beschäftigt gewesen, um diese explosiver zu machen, wobei eine Unvorsichtigkeit begangen worden sein dürfte, welche die Explosion verursachte […]. Emil Nobel und der Technologe Hertzman wurden unmittelbar getötet, […]. Der Ingenieur Alfred Nobel, wurde von dem heftigen Druck zu Boden geworfen und im Gesicht und am Kopf durch Glas- und Holzsplitter schwer verletzt.“

Was Alfred Nobel über diese schlimme Erfahrung dachte und fühlte wissen wir nicht mit Sicherheit, er blieb auf das Unglück bis zu seinem Tod äußerst verschwiegen. Wir können jedoch erahnen, welche Gefühle ihn umgaben und welche Gedanken in ihm kreisten, verursacht durch „Nobelsche Knall“.

Es wäre nicht verwunderlich gewesen, wenn er die Experimente daraufhin abgebrochen hätte. Auch wenn Immanuel Nobel keinen physischen Schaden davontrug, wurde das Unglück doch schicksalhaft für ihn. Einen Monat später –am 6.Oktober- erlitt er einen Schlaganfall, der seine Bewegungstätigkeit einschränkte. In einem Briefwechsel mit seinen Eltern wird deutlich, dass sich die gesundheitliche Situation so wie der Gemütszustand bei keinem optimal verlief. Neues Geld kam in die Familienkasse von den Bestellungen für die Gruben in Dannemora und Herräng. Der Vertreter der staatlichen Eisenbahn erklärte am 10. Oktober 1864, also nur fünf Wochen nach dem „Nobelschen Knall“, dass er beim Bau des Södertunnels in Stockholm ausschließlich das Nobelsche Sprengöl benutzen würde. Alfred Nobel begann daraufhin eine Gesellschaft für die Herstellung und den Verkauf von Nitroglyzerin zu planen.

Das Startkapital war schwer aufzutreiben, jedoch gab es einige Interessenten wie den Kapitänleutnant C. Wennerström und J. W. Smitt. Zusammen mit seinem Vater und den beiden Interessenten gründete Alfred Nobel am 22. Oktober 1864 die „Nitroglyzerin Aktiengesellschaft.“ Nobels Hauptaufgabe lag nun darin zwischen Steinbrüchen und Gruben zu reisen um sein Nitroglyzerin vorzuführen und die Vermarktung anzukurbeln. Er war kein Royalist, doch sah er den PR-Wert des Königshauses. Als der Prinz Oskar zu einer Demonstration auf Tyskbagarbergen einlud, startete die Massenproduktion des Sprengöls, dank zahlreicher Aufträge. Am 21. Juni 1865 wurde die Firma „Alfred Nobel & Co“, welche im Frühjahr in Deutschland gegründet wurde, in das Hamburger Handelsregister eingetragen. Das Werk expandierte schnell, die Exportzahlen schossen in die Höhe. Jedoch beschatteten zahlreiche Unfälle den Auslieferungshandel.

Das Sprengöl verursachte nämlich bei den Transporten auf Schiffen und auf der Bahn sowie in den Fabriken zahlreiche schwerwiegende Explosionen, die in New York, San Franzisko, Sydney und weiteren Städten viele Menschen das Leben kostete. Nobel experimentierte erneut mit dem Sprengöl und ungefährlicheren Stoffen zum besseren Transport. Neben Sägespänen, Zement und pulverisierter Kohle verwendete er Kieselgur. Diese feine und poröse Infusorienerde brachte den erwünschten Erfolg. Mehrere Probesprengungen wurden vorgenommen, unter anderem auch im Dortmunder Bergwerg. Ende 1865 hatte Nobel in Krümmel, aus dem verfestigten Sprengöl einen neuen Sprengstoff erfunden, welches er Dynamit nannte. Am 19. September 1867 erhielt Nobel für sein Dynamit ein schwedisches Patent, dem bald weitere Patente in allen wichtigen Ländern nachfolgten. Mit dieser herausragenden Erfindung war der Grundstein für das Reichtum und später auch für die Nobelstiftung gelegt. Er gründete in dreizehn Ländern Dynamitfabriken, davon zwei in Deutschland und weitere in den Vereinigten Staaten, in Schweden, Norwegen, Finnland, England, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Schweiz, Österreich und Ungarn.

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