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Warum Gustav II. Adolf in den
Dreißigjährigen Krieg eingriff

Gründe für den Kriegseintritt Schwedens gegen die Habsburger Adelsfamilie sind für Historiker bis heute ungeklärt. Die Propaganda des Königs von Schweden und die unterstellten Absichten liegen weit voneinander entfernt. Welche Ansichten wurden bisher genannt und welche erscheinen glaubwürdig?

Gustav Adolf II.1Die Vorgeschichte
Der jährlich im Sommer geführte Krieg begann mit dem Ständeaufstand in Prag. Graf von Thurn ließ, nachdem der Kaiser zwei evangelische Kirchen abriss und die evangelischen Stände benachteiligte, zwei kaiserliche Stadthalter und deren Sekretär aus dem Fenster der Prager Burg werfen. Dieses Ereignis ging als zweiter Prager Fenstersturz in die Geschichte ein. Friedrich V. von der Pfalz wurde zum neuen König von Böhmen. Die neuen Prager Herrscher erklärten Ferdinand II. für abgesetzt. Doch der Habsburg konnte Prag zurückerobern und rekatholisierte die Bevölkerung. Der folgende Krieg zwischen der habsburg-katholischen Seite und protestantischen Union zeigte, wie übermächtig die kaiserliche Macht war. Friedrich V. verlor alle großen Schlachten und flüchtete in die Niederlande.


Christian IV. von Dänemark erkannte die unsichere Situation im Reichsverband und entschied einzugreifen. Er wollte seine Macht im Reich ausbauen und verbündete sich gegen den Rat seiner Stände mit norddeutschen Städten. Die kaiserlichen Truppen unter Führung von Johann t’Serclaes Graf von Tilly schlugen Christian, obwohl er Unterstützung von Frankreich bekam. Tillys Truppen waren übermächtig, der Kaiser hatte keinen starken Gegner im Reich. Auf dem Höhepunkt der Macht erließ Ferdinand II. das Restitutionsedikt, ohne die Zustimmung der evangelischen Reichsstände. Der Kaiser verstieß damit gegen die deutsche Libertät und gegen den Augsburger Religionsfrieden von 1555. Denn durch die neue Verordnung sollten alle Kirchengüter auf den Stand von 1552 zurückgesetzt werden. Mit dem Verdacht auf einen neuen Akteur gegen die kaiserlichen Verbände, schlossen Christian und der Kaiser 1629 den Frieden von Lübeck.

Ferdinand II. hatte die Möglichkeit nach dem Lübecker Frieden die Unruhen im Reich zu beenden, stattdessen trat der König von Schweden Gustav II. Adolf in den Krieg. Der Herrscher des nordischen Landes hatte zuvor erfolgreich Krieg gegen Dänemark, Russland und Polen geführt. Erst der Waffenstillstand von Altmark 1629 mit Polen gab Schweden eine militärische Entlastung, die es ermöglichte ihre Truppen auf Usedom landen zu lassen. Die Gründe hierfür werden von Historikern äußerst unterschiedlich benannt:

 

1. Die Verteidigung des Protestantismus

Dieses Argument wird vor allem in der Kriegspropaganda der Schweden verwendet. Die nördlichen Gebiete des Reichs sind zum großen Teil protestantisch. Jedoch lehnten sie den König aus Schweden und seine Truppen ab. Ob Gustav Adolf tatsächlich Mitgefühl für seine religiös Gleichgesinnten hatte, ist äußerst fraglich. Das Bündnis mit dem katholischen Frankreich ist eine Tatsache gegen dieses Argument. Eindeutig ist, dass der Eintritt in den Krieg eine Wirkung zu Gunsten der Protestanten als Folge hatte. Durch die schwedischen Armeen hatten die katholischen Kampfverbände ein Gegengewicht erhalten, das bis zu diesem Zeitpunkt nicht zustande gekommen war.

2. Erhaltung der Glaubensfreiheit
Der Augsburger Religionsfrieden stellte vertraglich das Verhältnis der Konfessionen im Reich dar. Durch des Kaisers Restitutionsedikt wurde die Akzeptanz der jeweils fremden Glaubensrichtung geschwächt. Ziel des Eingreifens sollte laut schwedischer Kriegs- propaganda auch die freie Wahl der Religions- und Konfessionszugehörigkeit sein. Gustav Adolfs Absicht dieses Ziel zu erreichen, kann deutlich verneint werden. Kurz vor dem Krieg verabschiedete der schwedische Reichstag im Jahr 1617 ein Gesetz, dass die Todesstrafe, für zum Katholizismus übertretende Bürger, verhängt. Das Gesetz widerspricht der freien Konfessionswahl stärker als das Restitutionsedikt, was die Argumentation der Schweden unglaubwürdig erschienen lässt.

3. Sicherung der deutschen Libertät
Das deutsche föderative Staatensystem stellte für die umliegenden Herrscher eine wichtige Pufferzone dar. Sollte sich dieses Gebiet zu einem Zentralstaat wandeln, befürchtete man häufige, kriegerische Auseinandersetzungen. Auch hiermit warben die Schweden vor dem Kriegseintritt. Das Anliegen der Reichsstände, Macht im Reichsverband zu behalten, sollte durch Gustav Adolf gesichert werden. Ferdinand II. missachtete die Mitbestimmungsrechte der Stände, indem er den Erlass des Restitutionsedikts ohne die protestantischen Stände verabschiedete. Die Stärkung der Stände bedeutet gleichzeitig die Schwächung der Habsburger und des Reiches. Diese Ziele sind für das Eingreifen sehr viel wahrscheinlicher, als die moralischen Varianten der Gerechtigkeit.

4. Herstellung eines europäischen Gleichgewichts
Die mächtige Habsburger Adelsfamilie schien für die umliegenden Könige eine Bedrohung darzustellen. Ein Gleichgewicht der Mächte bestand nicht mehr. Umgeben von Habsburgern, war besonders Frankreich an einer Schwächung der Wiener interessiert. Diese Angst kann auch in Schweden bestanden haben. Ein Ungleichgewicht wird nur von jemandem bekämpft werden, der dadurch bedroht ist. Auch die finanzielle Unterstützung der Franzosen an Christian IV. von Dänemark und Gustav II. Adolf von Schweden veranschaulichen das Interesse Frankreichs. Dass deshalb ein groß angelegter Krieg von Seiten der Schweden folgen musste ist unklar. Schweden war durch das Haus Habsburg bei weitem nicht so bedroht wie Frankreich.

5. Verteidigung durch Kriegseintritt
Die Politik der Habsburger hatte bei der schwedischen Krone Besorgnis hervorgerufen. Mit der Ernennung Wallensteins zum „General des Ozeanischen und Baltischen Meeres“, fühlten sich die Ostseemächte bedroht. Die Kaiserlichen planten mit Hilfe eines Flottenbaus den Einfluss in der Ostsee zu stärken, damit haben sie den Eintritt einer neuen Macht provoziert. Für Gustav Adolf galt demnach, die eigene Dynastie zu verteidigen und die eroberten Gebiete und die Herrschaft der Ostsee zu sichern. Der schwedischen Kriegspropaganda zufolge, sollten die Verbündeten Herzöge aus Mecklenburg und Pommern ebenfalls verteidigt werden, auch wenn sie durch Zwang ein Bündnis mit Gustav Adolf eingingen. Gegen dieses Argument stellt sich die Tatsache, dass Schweden keine Territorien im Reich besaß und keine Grenze mit Habsburg hatte. Bis auf die geplante Flotte wären sie nicht bedroht gewesen. Der Flottenbauplan wurde jedoch schon 1630 wieder aufgegeben.

 

6. Gustav II. Adolf wollte neues Land erobern
Die Beschränkung der Gründe auf einen reinen Eroberungskrieg war bei deutschen und katholischen Historikern besonders beliebt. Der schwedische König war sicher ruhmsüchtig, wie alle Herrscher der frühen Neuzeit und versuchte schon in den Kriegen gegen Dänemark, Russland und Polen Land zu gewinnen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Gustav II. Adolf die unsichere Situation im Reich erkannte und versuchte zu nutzen.

7. Wirtschaftliche Vorteile
Die wichtigen Zolleinnahmen durch die Flussmündung und Häfen waren für Schweden sehr wichtig. Diese zu erhalten oder neue zu gewinnen, kann zum Eingreifen bewegt haben. Vor allem die Odermündung interessierte die Schweden.

8. Die schwedische Oberschicht drängte Gustav II. Adolf zum Eingreifen
Der Kanzler Axel Ochsenstierna und Johan Skytte hatten dem König zwar abgeraten einen Krieg im Heiligen Reich zu führen, der Hochadel jedoch hatte deutliche Vorteile durch den Krieg. Die Kriegsbeute gelangte zum größten Teil an eine sehr dünne Schicht im Hochadel. Die Oberschicht könnte den König durchaus zum Krieg gedrängt haben. Fraglich bleibt, ob Gustav II. Adolf sich davon beeinflussen ließ. Dieses Argument der Abhängigkeit wurde oft von marxistischen Gelehrten vertreten.

9. Gustav II. Adolf ist ein Gesandter Gottes.
Dem schwedischen Herrscher nach, war er nicht nur der Retter der protestantischen Konfession, sondern auch das Werkzeug Gottes. Die Historiker der Romantik nahmen diesen Gedanken wieder auf. Demnach hatte Gustav II. Adolf im Jahr 1630 einen Geistesblitz (impetus ingenii), eine göttliche Eingebung (disposito divina). Das schwedische Volk folgte dieser Eingebung. Zu beweisen oder widerlegen ist die These nicht, als Erklärung für das Eingreifen kann sie nicht dienen. Aber sie führt zu einer Persönlichkeitsstärkung des schwedischen Königs und lässt wenig Kompromissbereitschaft erahnen.

Die Folgen
Auch wenn die angeführten moralischen Gründe und Ziele nicht glaubwürdig erscheinen, hatte das Wirken der schwedischen Soldaten positiven Einfluss auf die deutsche Libertät und die Religionsfreiheit. Die kaiserlichen Truppen hatten nach dem Lübecker Frieden keinen gleichwertigen Gegenspieler. Als die Schweden und die Franzosen vor dem zweiten Hauptsitz der Habsburger in Prag aufmarschierten, musste der Kaiser die Friedensverhandlungen akzeptieren. Der Druck Schwedens und Frankreichs zwang das kaiserlich-katholische Bündnis, Zugeständnisse an die Stände, Lutheraner und Calvinisten zu machen. Das Restitutionsedikt wird auf das Jahr 1624 zurückgesetzt. Die Eidgenossenschaften werden als unabhängig akzeptiert. Das Eingreifen des Königs hatte großen Einfluss für die Freiheit und Dezentralisierung des Deutschen Reichs. Gleichzeitig wird der Machtbereich Schwedens vergrößert. Vorpommern und Wismar werden schwedisches Territorium. Damit erhält Schweden auch Stimmgewicht im deutschen Reichstag.

 

 

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